Momentaufnahme des Leben

Ich mag sie nicht. Ich kann sie nicht leiden. Immer, wenn ich spüre, die nächste steht bevor, könnte ich laut schreien, um mich schlagen. Allein bei dem Gedanken daran, krampft sich mein Herz zusammen.

 Ich könnte die absurdesten Kampfvisionen kreieren, könnte flüchten und mich schließlich selbst bemitleiden. Ich könnte mich irgendwo verstecken, in der Hoffnung, dass sie mich nicht finden. Ich könnte alles tun- aber nichts würde sie davon abhalten,   zu kommen und schnell wieder zu verschwinden. Ich kann sie nicht aufhalten. Nicht einmal mit Zauberkräften.

Also, muss ich mich ihnen stellen- jeden Tag, jeden Moment.

Sie lauern regelrecht hinter der nächsten Ecke. 

Angriffslustig. Blutleckend.

 Sie verursachen absolutes Chaos. Im eigenen Leben. Und im Leben anderer.

Manchmal mehr, manchmal weniger.  Sie sind schuld für Gefühlsschwankungen, das Ungewisse, die Furcht, sich wieder umzugewöhnen.

 Ein glücklicher Moment endet im Tränenmeer.

Tränen trocknen in einem Akt der innigen Zuneigung.

Aus Wut wird Enttäuschung.

Aus Enttäuschung Wut.

 Je mehr man weiß, desto größer ist das Risiko, ihnen zu begegnen.  Gespräche. Handlungen. Allein ein einzelner Wimpernschlag kann sie ans Licht bringen. Und mit ihnen das Grauen- oder die Freude.

 Sie sind nicht immer schlecht. Um Himmelswillen, nein. Anfangs schon. Aber im Nachhinein könnte man sich sogar an ihnen erfreuen. Sich dafür bedanken. Man könnte sie regelrecht umjubeln, applaudieren. Sie könnten das größte Geschenk sein, was einem hätte gemacht werden können. Könnte. Natürlich gibt es Ausnahmen. Manchmal leider zu viele.

Manchmal passiert so viel auf einmal, dass man sie gar nicht mitbekommt. Gar nicht realisiert. Sondern erst später zufällig darüber stolpert. Umso größer ist dann die Überraschung.

Lenkt uns also das Schicksal, wann und wie intensiv wir uns mit dem neuen Lebensumstand auseinandersetzen müssen? Ist es für die Richtung verantwortlich, die wir im Leben einschlagen? Können wir dem Schicksal die Schuld für alles Schlechte geben? Das Gute beruht natürlich auf unseren Schultern.  Wir schmücken uns damit. Triumphieren. Ergötzen uns daran. Lassen andere zu uns aufblicken. Aber sollte es sich dann doch zum Schlechten entwickel, schieben wir die Schuld jemanden anderen unter- wie wäre es mit dem Schicksal?

 Ich weiß nicht. Sie sind für mich ein unlösbares Rätsel. Ein Mysterium. Und werden es auch weiterhin bleiben. Man ist gegen sie machtlos. Man ist gefangen in einem Teufelskreis; ist von ihnen umzingelt, ihnen vollkommen ausgeliefert und wird an den Pranger gestellt. Entweder allein oder mit anderen- die helfen oder zusehen.

Ja, ich sträube mich gegen Veränderungen. Sehr sogar. Manchmal mehr, manchmal weniger. Auch wenn nicht alle gleich dem Weltuntergang gleichen- sie sind für eine neue Momentaufnahme des Lebens verantwortlich- und das ist das, was mir Angst macht, aber in gewisser Weise auch das, was das Leben interessant macht. Sie sind die gewisse Würze. Die verführerische Süße. Aber auch viel zu oft der bittere Beigeschmack.